19.10.2009

Rom und die Kriege

Der Krieg zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte römische Geschichte. Rom hat sich durch Totschlag, Raub und Verwüstung einen großen Namen gemacht. Wer Ruhm, Ehre und Reichtum sucht, der kommt am Krieg nicht vorbei, nur dort kann der Römer all das holen, wenn er tapfer genug ist und durchhält. Der Krieg war nichts Verwerfliches, im Gegenteil man hat ihn immer wieder gesucht, um die Welt zu unterwerfen, um sich zu bereichern.
Im Jahre 272 v. Chr. nach dem Sieg über Pyrrhos , ein Tyrann, der sich als schwer zu schlagen heraustellte, hat der Krieg eine neue Dimension angenommen: Hatte Rom früher die verschiedenen Stämme in Italien unterworfen, so sollte nun die restliche Mittelmeerwelt Ziel ihrer Eroberungen sein; Der Mittelmeerraum erlebt eines seiner blutigsten Jahrhunderte. Man hat zunehmend erkannt, dass Krieg ein besonderes lukratives Unternehmen ist, und der Krieg gegen Pyrrhos hat sich als großer Erfolg herausgestellt, denn trotz enormer Verluste und vielen Niederlagen, hat man letztlich den Feind besiegen können. Für einen Römer beginnt der Krieg dort, wo er für die meisten Menschen in der Antike aufhört: Die Opferbereitschaft war so immens, dass man es geschafft hat große Mächte und Mittelmächte dem Erdboden gleichzumachen. Kein Volk der Antike hat im Krieg so viel Sinn gesehen wie die Römer. Den Krieg gegen Karthago haben die Römer nur gewonnen, weil sie bereit waren bis zum äußersten zu gehen; sie waren bereit das gesamte Volk zu opfern. Selbst als im ersten Punischen Krieg die Kriegskassen völlig leer waren, die Menschen des Kampfes müde waren, mussten Privatpersonen ihr Vermögen zur Verfügung stellen, um einen Flottenbau zu ermöglichen.
Die Karthager hingegen waren lebensbejahend, für sie war der Handel weitaus wichtiger als Krieg. Der Handel und die Verhandlungskunst ist ihre Stärke gewesen. Daraus läßt sich ihr Wohlstand erklären, den die Römer schon immer mit Argwohn betrachtet haben. Und selbst zwischen den Punischen Kriegen haben sich die Karthager erstaunlich schnell regeneriert und hatten es – trotz ungeheuerlicher Reparationszahlungen an die Römer - binnen kürzester Zeit immer wieder zu Wohlstand gebracht. Während der vielen Kriege hatten Verhandlungen keine Chance gehabt; immer wenn Gegner Verhandlungsbereitschaft gezeigt haben, um einen langwierigen Krieg zu beenden, stellten die Römer derart unannehmbare Bedingungen, dass ein Ende der Kampfhandlungen unmöglich war. Rom glich einer perfekt organisierten Räuberbande, die ständig darauf erpicht war, sich zu bereichern. Der römische Senat glich einem Kriegsrat, der dem Volk in der Volksversammlung die Notwendigkeit des Krieges darstellte. Oftmals begleiteten Kaufleute die Offiziere, weil man inzwischen wußte, was für Vorteile der Krieg mit sich brachte. Es ist nicht das ungehobelt Volk –wie romfreundliche Überlieferungen uns berichten –, welches ständig nach Kriegserklärungen drängte, sondern die nobiles, die ‚Intelektuellen‘ des Reiches, die im Senat über Krieg und Frieden entschieden haben; denn sie mussten mit all ihren rhetorischen Fähigkeiten die Menschen überzeugen, dass ein Krieg unausweichlich und der Feind besonders gefährlich ist. Krieg ist kein Zufall, er ist immer von Strategen durchdacht und gut organisiert. Rom ist daher nie in einem Krieg unfreiwillig hineingezogen worden. Die ständige Aussage man müsse den Bundesgenossen schnellstmöglich zu Hilfe eilen, damit sie nicht von einem bösen Tyrannen erobert werden, traf nie den Kern der Wahrheit. Die Römer wussten sehr wohl, dass ihre Kriege keine gerechten Kriege waren. Wäre es ihnen nicht bewusst gewesen, dass sie Böses taten, hätten Geschichtsschreiber nicht versucht Untaten schöner darzustellen, um sich bei der Nachwelt für ihre Grausamkeiten zu rechtfertigen. Die Römer beherrschten nicht nur die Kriegskunst, auch die Propagandakunst machten sie sich besonders zu eigen.
Selbst in unseren Tagen, in denen Kriege abgelehnt werden, weil sie den Menschen nur Tod und Verderben bringen, versuchen einige Historiker Rom in Glanz erscheinen zu lassen, die Schattenseiten werden nach allen Regeln der Polemik schön geredet. Rom mag mit der Zeit vieles erreicht haben, doch die Pfeiler des Imperiums sind mit Blut besudelt.

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